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Mit der Kunst eine Wirklichkeit schaffen – Igor Egorov im Interview

Igor Egorov „Septembermorgen“ (Öl auf Leinwand)
Igor Egorov „Septembermorgen“ (Öl auf Leinwand)

Vor kurzem erst hatten wir die Arbeiten des weißrussischen Malers Igor Egorov kennengelernt und waren beeindruckt von den stimmungsvollen Bildern, die sich Anregungen aus verschiedensten Stilen der Kunstgeschichte holen, vom Realismus bis zum Surrealismus, und diese zu einer neuen, organischen Einheit zusammenfügen. Nun hatten wir einige Fragen, welche uns der Künstler bereitwillig beantwortete.

Das Gespräch führte Ruedi Strese

HELIKON ART: Ihre ersten Kunstlehrer waren Ihre Eltern. Erzählen sie uns doch etwas von deren Arbeit als Künstler. Was war ihre Weise des Unterrichtens? Offenbar hatten sie zumindest einen großartigen Schüler…

Egorov: Eltern sind natürlich die ersten Lehrer. Sie waren ihr ganzes Leben lang die Lehrer, doch ich sehe es nicht als ein Studium. Wir haben alles zusammen getan – wie es in der Familie getan wird. Ich habe zugeschaut, was sie machten. Sie zeigten mir nur, wie etwas gemacht wird, wenn es nötig war. Bei den Ausbildungsinstitutionen der verschiedenen Ebenen lernte ich die formale (abstrakte) Komposition in der Kunst. Vor allem an der Akademie. An der Akademie war es nötig, das Wissen praktisch umzusetzen. Genau und ohne das Recht auf eine zweite Chance. Hart, aber wirkungsvoll.

HELIKON ART: Ihre Eltern haben Ihnen auch Lehrstunden in Pleinairmalerei gegeben. Folgen Sie immer noch gelegentlich diesem Weg, der im Wesentlichen durch die frühen Impressionisten berühmt gemacht wurde?

Egorov: Nein, ich benutze nicht den Impressionismus in seiner reinsten Form. Nur die Fähigkeiten, die er bringt. Er lehrt uns, bis zum Ende der Arbeit am ersten Eindruck festzuhalten. Das ist eine wertvolle Fähigkeit. Durch das Studium der Kunstgeschichte, erkannte ich, daß die Kunststile (Surrealismus, Impressionismus, Kubismus,…) nicht getrennt voneinander existieren – es ist eine lange, endlose Straße. Vorangegangene Stile sind unschätzbares Erbe. Wir müssen es bewußt nutzen. Uns wurde die Komposition an abstrakten Formen beigebracht. Es ist möglich, das Prinzip des Eindrucks von Bildern auf den Betrachter zu verstehen. Auch die Eltern haben den Stil des Impressionismus nicht als Selbstzweck genutzt. Sie fühlten so, so sahen sie die Welt um sich. Das Bild – das ist nicht die einzige Geschichte. Es ist eine komplexe Struktur der Formen, der Farben, des Plans usw. Und es sollte synchron funktionieren. An einem bestimmten Punkt zusammenströmen, um zu einem einzigen Ergebn
is zu führen. Und das Endergebnis – die Schöpfung neuer Welten. Es ist wünschenswerterweise wirklicher als die Welt um den Betrachter herum.

HELIKON ART: Teile Ihrer Arbeiten sind stark vom Surrealismus beeinflußt. In seinen Ursprüngen begann der Surrealismus, so, wie er von Louis Aragon und André Breton ins Leben gerufen wurde, als eher dunkle, zerstörerische, vielleicht sogar nihilistische Bewegung. Ihre Arbeiten sind offenbar weit davon entfernt, sie haben einen traumhaften und fantastischen, doch grundlegend (irgendwie) positiven Ansatz…

Egorov: Sie haben den Einfluß des Surrealismus in meinen Bildern richtig herausgestellt. Im Surrealismus Dalis (der späten Periode) sehe ich eine gute Fortsetzung des Prozesses der Weltkunst. Es ist bewundernswert. Wie es in der Natur geschieht – die Entwicklung, das fortgesetzte Steigen der Komplexität. Ein anderes Phänomen – Entwürdigung dort. Man kann eine Menge Zeit damit verbringen, herauszufinden, warum das Publikum im 20. Jahrhundert überwältigende demoralisierende Kunst hat. Die Primitivisierung des spirituellen Lebens. Dies ist eine gesonderte Angelegenheit. Doch es ist ein Fakt. Dies ist nicht mein Weg.

HELIKON ART: Was sind Ihre Gefühle, wenn Sie an einem Bild arbeiten, und wenn ein Bild fertig ist?

Egorov: Was fühle ich, wenn ich das Malen beende? Ungeduld. Also, ich sehe nicht, daß mehr sie noch verbessern würde. Zum Ende der Arbeit habe ich bereits eine Menge neuer Bilder erdacht. Ich habe bloß nicht die Zeit, sie zu verwirklichen! Das Bild geht fort, es lebt irgendwo weiter.

HELIKON ART: Sind Träume eine wichtige Quelle der Inspiration?

Egorov: Träume (oder Schlaf) sind sicher keine Quelle, um Bilder zu kreieren. Alles, was ich entwerfe, kommt bei klarem Bewußtsein. Glaubte ich. Ich will dort dieses Bild der Welt haben. Dann ein anderes, und das, und so weiter, bis in die Unendlichkeit. Versuchen Sie, sich vorzustellen, daß Sie aus dem Fenster schauen und die fliegende Insel sehen. Im Fenster des Geistes. Schauen Sie auf die blanke Leinwand, und Sie sehen es dort, und dann nehmen Sie den Pinsel und vertreiben die Leere von der blanken Leinwand. Aber Sie sehen es. Natürlich ist das ein Scherz. Aber ich sehe keine Unterschiede. Bitte seien Sie nicht überrascht.

HELIKON ART: Eine Freundin meinte über Ihre Arbeit, sie würde besonders die Verbindung von Präzision und Verschwommenheit mögen, welche zwei parallele Realitäten erzeuge und Raum und Zeit entspanne… Ihre Gedanken dazu?

Egorov: Höchstwahrscheinlich ist das so.

HELIKON ART: Eine meiner bevorzugten Fragen, wenn ich mit Künstlern aus Osteuropa spreche: sehen Sie einen substantiellen Unterschied zwischen der heutigen Kunst Osteuropas und westlicher Gegenwartskunst? Die Szene, die Stile, die Einstellungen… wenn ja, wie erklären Sie diese Unterschiede?

Egorov: Die Welt ist, objektiv, eins. In ihr gibt es Roberto Ferri, István Sándorfi, Andrew Wyeth, Francis Bacon, Gerhard Richter und Ilya Repin mit Isaac Levitan. Es gibt keinen Grund, Kunst, die keine ist, Kunst zu nennen. Es ist nötig, zu unterscheiden. Auch, wenn es unter der Aufmachung der Kunst verkauft wird. Die Kunst ist wirklich ein sehr hartes Unterscheidungskriterium. Die Zeit wird zeigen, was bleiben wird. Ich denke, es gibt einige künstliche Unterscheidungen zwischen östlicher und westlicher Welt, in der Kunst ist es eine Welt. Die Spieler des Kapitols in Washington sind nicht zwischen Ost und West aufgeteilt. Sie sind ein Team (Schmunzeln…).

HELIKON ART: Welche sind Ihre bevorzugten Gegenwartskünstler? 

Egorov: Ich kann unter den Gegenwartskünstlern sicher keinen Lieblingskünstler auswählen. Ich mag viele von ihnen. Ein paar habe ich schon genannt.

HELIKON ART: Sind bereits Bücher mit Ihren Arbeiten erhältlich?

Egorov: Spezifische Bücher mit meinen Bildern wahrscheinlich nicht. Es gibt einige Broschüren. Ich kann kein Buch veröffentlichen. Es ist teuer. Es ist auch so, daß ich keine Zeit habe, um nach Möglichkeiten für eine Buchveröffentlichung zu schauen.

HELIKON ART: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Egorov: Pläne? Zu arbeiten, hart zu arbeiten und zu lernen, die Mittel der Malerei zu beherrschen. Neue Bilder erfordern mehr Fertigkeiten. Das Wissen und die Fertigkeiten von gestern sind nicht mehr genug, um sie auszuführen.

HELIKON ART: Herzlichen Dank, Herr Egorov!

Zur Person: Igor Egorov wurde 1964 in Gomel (Weißrußland) geboren. Seine Eltern, Valentin Egorov und Maria Egorova, waren bereits als Maler und Graphiker tätig und gaben ihm ersten Unterricht. Später studierte er Kunst in Gomel und Minsk, wo er 1991 sein Diplom erhielt. Seit 1998 ist er Mitglied der Weißrussischen Künstlervereinigung. Egorovs Werke waren in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

 


Verweise:

http://www.realityart.info/
http://www.art-depesche.de/malerei/140-igor-egorov-%E2%80%93-mystische-landschaften-und-surreale-traumwelten.html

https://www.facebook.com/IgorEgorovArtist/?fref=ts
http://artnow.ru/en/gallery/0/30654.html
http://belousovart.com/russian/avtor/egorov/
https://twitter.com/egorov64aleks

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