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Lichte Landschaften aus Gomel – ein Interview mit Igor Khaikov

Igor Khaikov
Igor Khaikov

Aus der zweitgrößten Stadt Weißrußlands kommt ein Maler, der sich vorrangig mit dem Aquarell befaßt. Dabei entstehen Landschaften und Städteansichten von spielerisch wirkender Leichtigkeit, die doch im Detail verblüffen. Trotz leichter Sprachbarrieren bekamen wir interessante Antworten auf unsere Fragen.

Die Fragen stellte Ruedi Strese

Helikon Art: Herr Khaikov, der Schwerpunkt Ihrer Arbeiten liegt bei Aquarellen und Ölgemälden. Besteht ein Zusammenhang zwischen dem dargestellten Thema und der Frage, ob Sie Öl oder Wasserfarben verwenden?

Khaikov: In den meisten Fällen wähle ich das Aquarell. Doch manchmal scheint mir, daß mit der Technik der Ölmalerei das Bild interessanter ausfallen wird, sich das Thema und meine Idee mehr enthüllen. Es ist schwierig, die Wahl der Technik zu erklären. Mit einer Umrißskizze beginnend versuche ich, die Technik und Größe des Bildes zu planen, mir die Ergebnisse und Beschaffenheit der Arbeit vorzustellen. Manchmal kann ich einen interessanten Plan in beiden Techniken ausführen.

Helikon Art: Was sind die Hauptunterschiede zwischen der Annäherung mit Wasserfarben und der mit Öl?

Khaikov: Aquarelle fertige ich in wenigen Stunden. Bei Aquarellen ist es wichtig, bevor man zu malen beginnt bereits die Abfolge des Malens zu verstehen und sich das zukünftige Bild vorzustellen. Den Prozeß zu ändern ist schwierig und oft unmöglich. Wenn das Ergebnis mich nicht befriedigt, nehme ich ein neues Blatt Papier. Und ich rechne bei dieser Arbeit mit Fehlern beim ersten Versuch. An den Ölgemälden arbeite ich mehrere Tage. Oft stehen unvollendete Bilder eine Weile rum, das kann eine Woche oder ein Monat sein. Beim Betrachten des Bildes mache ich mir einen Notizzettel. Mit diesen Aufzeichnungen setze ich die Arbeit fort. Manchmal kann ein Bild schnell und einfach gemalt werden. Ölgemälde erlauben eine ruhige Arbeit, es können Änderungen am Bild vorgenommen werden. Aquarelle sind komplexer und dynamischer und genau deshalb mag ich sie.Igor Khaikov-1

Helikon Art: Ihre Arbeiten haben eine sehr „pastellartige“ Atmosphäre. Arbeiten Sie auch mit Pastellkreide?

Khaikov: Der Zustand der Natur ist für mich sehr wichtig. Ich liebe den Abend, den Regen, den frühen Morgen. Zu diesen Zeiten sind die Farben der Natur sanfter. Meiner Meinung nach kann solche eine Atmosphäre mit Wasserfarben und Pastellen besser gezeigt werden. Ich habe eine recht lange Zeit Pastelle gefertigt, doch das war vor vielen Jahren. Im Atelier steht eine Schachtel mit Pastellkreide, vielleicht wartet sie auf mich.

Helikon Art: Die Bilder wirken stets wie von Licht durchflutet… würden Sie Ihre Arbeit mit dem Impressionismus in Verbindung bringen?

Khaikov: Hell und intensiv, verhalten und zart. Die Sonnenstrahlen im Nebel oder an einem heißen Nachmittag. Es ist Licht. Es kann die Landschaft sehr schnell ändern. Diese Bilder werden aus der Impression gemalt, ich halte im Geist, was ich gerade gesehen habe. Solche schnellen Skizzen sind unter freiem Himmel sehr wichtig. Die Hauptaufgabe solcher Skizzen ist es, den ersten Eindruck zu zeigen – das Wichtigste in der Landschaft.

Helikon Art: Sie bevorzugen offensichtlich die Pleinairmalerei…

Khaikov: Ich liebe die Pleinairmalerei. Meiner Ansicht nach muß der Künstler, der die Natur abbildet, zwangsläufig unter freiem Himmel arbeiten. Natur, Luft und die Geräusche der Umgebung schaffen eine spezielle, schöpferische Atmosphäre. Man kann ein großes Bild oder kleine Skizzen fertigen. Es ist eine wunderbare Erfahrung, die einem bei der Arbeit an den Bildern im Atelier hilft. Ich mag es, meine Skizzen zu betrachten. Das ist eine Möglichkeit, zu diesen Orten „zurückzukehren“. Skizzen sind so etwas wie Notizbücher für den Künstler. Ich beachte immer auch die Skizzen anderer Künstler. Meiner Ansicht nach läßt genau die Arbeit im Freien die Fähigkeiten am besten erkennen.

Helikon Art: Welches Verhältnis besteht zwischen Ihren Bildern und der Natur, was ist das dahinterstehende Konzept?

Ölgemälde von Igor KhaikovKhaikov: Ich versuche, der Natur zu folgen, doch niemals, die Natur zu kopieren. Der Künstler, im Gegensatz zum Fotografen, kann alles ändern – Komposition, Licht, Farbe. Man kann Details auslassen, welche im Bild nicht benötigt werden. Manchmal genügt es, zur Planung eines großen Gemäldes eine recht schnelle Skizze auf dem Skizzenblock anzufertigen. Manchmal braucht man viele Skizzen und Entwürfe. Man muß viele Aufgaben lösen – die Komposition der Landschaft, der Zustand der Natur, Licht und Tageszeit. Es ist aber sehr interessant. Es ist notwendig, die Natur zu beobachten, interessante Momente im Gedächtnis zu behalten.

Helikon Art: Wer sind ihre bevorzugten Künstler aus Geschichte und Gegenwart?

Khaikov: Ich liebe die Arbeiten von Stanislav Zhukovsky. Die herrlichen Landschaft Corots und Monets. Von den Gegenwartskünstlern liebe ich die Aquarelle von Sergey Kurbatov, Sergey Temerev, Thomas Shaler. Liu I ist auch ein großartiger Aquarellist.

Helikon Art: Und welche Künstler der Gegenwart unter Ihren Landsleuten würden Sie unseren Lesern besonders empfehlen?

Khaikov: Es gibt eine Menge bemerkenswerter Künstler. Jeder hat seinen eigenen Blick, seine spezielle Technik. Es ist notwendig, mehr hinzuschauen und zu lernen. Jedes Bild hat viele Schwierigkeiten, die nicht leicht zu lösen sind. Sehen, wie andere Künstler mit diesen umgehen. Immer neue Dinge zu lernen. Und vor allem, härter zu arbeiten, die Technik zu entwickeln.

Igor KhaikovHelikon Art: Sind Ihre Arbeiten bereits in Buchform erhältlich?

Khaikov: Leider gibt es keine gedruckten Alben und Bücher. Es gab lediglich ein paar Artikel in Zeitungen und Zeitschriften.

Helikon Art: Was sind Ihre Hoffnungen und Pläne für Ihre Zukunft als Künstler?

Khaikov: Meine Pläne und Hoffnungen sind einfach. Malen mit Wasserfarben und Öl. Reisen und malen, was ich sehe. An Ausstellungen teilnehmen. Der Künstler sollte sein ganzes Leben lang lernen und versuchen, seine Fertigkeiten zu verbessern.

Helikon Art: Herr Khaikov, wir danken Ihnen für das Interview!

Khaikov: Und ich danke Ihnen!

 

Kurzbiographie aus des Künstlers eigener Feder:
Ich wurde 1969 in der weißrussischen Stadt Gomel geboren. Wie alle Kinder zeichnete ich als Kind gerne. Ich wurde als spezieller Ingenieur ausgebildet. Während der Zeit an der Universität begann ich zu malen. Das Aquarell zog mich mit der Einfachheit des Materials und seiner Dynamik an. Die Aquarellmalerei ist meine bevorzugte Technik. Ich male lyrische Landschaften, ich mag es wirklich, an architektonischen Landschaften zu arbeiten. Ich habe an Ausstellungen teilgenommen, hatte zehn Einzelausstellungen. Dieses Jahr habe ich an der Biennale des Aquarells in Fabriano teilgenommen. Meine Bilder befinden sich in Privatsammlungen in vielen Ländern der Welt.

Igor Khaikov auf facebook:
https://www.facebook.com/igor.khaikov

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